Cranberry Bar

Eigentlich hätte die Cranberry Bar gar keine Gay Bar werden sollen. Und ursprünglich war Dušan Savic Gast, nicht Betriebsleiter. Doch dann kam alles anders.

Leute kann man heute problemlos via App kennenlernen. Braucht es denn trotzdem noch Gay Bars? Dušan Savic, Betriebsleiter der Cranberry Bar, sagt: Ja, unbedingt. Ursprünglich gab es für das Lokal im Niederdorf aber einen anderen Plan: Er umfasste amerikanische Atmosphäre, Zigarren und, ja, Cranberries.

Spätestens im Herbst 2018 wurde die Cranberry Bar schweizweit bekannt: «Justin Bieber und Hailey Baldwin turteln in Zürich», lauteten die Schlagzeilen, und: «Romantisches Date in Gay Bar». Der weltberühmte Sänger und das erfolgreiche Model – in einer Zürcher Schwulenbar?! «Ja, sie waren tatsächlich hier», erinnert sich Betriebsleiter Dušan Savic, «ich habe minutenlang überlegen müssen, woher mir der Typ bekannt vorkommt.» Unverhofft landete das Lokal im Zürcher Niederdorf in so manchem Boulevardblatt – und das – welch Ironie – dank einem Hetero-Paar.

Der weltberühmte Sänger und das erfolgreiche Model – in einer Zürcher Schwulenbar?!

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Es ist ein ähnlich grosser Zufall, dass Dušan selbst nun das zweistöckige Lokal leitet. Der gebürtige Winterthurer war ursprünglich schlicht Gast dort, bevor er im Serviceteam aushalf und später Betriebsleiter wurde. Nun sorgt er unter anderem dafür, dass sich auch neue Gäste willkommen fühlen: Das Cranberry ist bei Neuzuzügern und Touristen beliebt: «An manchen Abenden spricht das Personal kaum Schweizerdeutsch», erzählt er und lächelt.

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1997 eröffnete die Cranberry Bar – aber eigentlich nicht als Gay Bar. «Die Gründer wollten eine American Cocktailbar eröffnen, mit Rum- und Zigarrenlounge. Einer der Gründer, Jvan Paszti, hatte kurz davor Cranberry-Farmen im Osten der USA besucht. «Anfangs der Neunziger war die Zeit, als der Cosmopolitan aufkam, einer der letzten grossen Cocktail-Klassiker», schildert Dušan, der beim Thema Cocktails sichtlich aufblüht. «Für den Cosmopolitan braucht man Cranberrysaft – der war in Zürich aber noch schwer zu kriegen. Also importierte Jvan Cranberrysaft.» Halb im Scherz sagte der Co-Gründer seinem Lieferanten, er werde seine neue Bar Cranberry nennen, wenn sie ihm dafür die Leuchtschrift bezahlten. Die Amerikaner hielten es für einen Witz – aber als das Lokal beim Rathaus dann wirklich so hiess, übernahmen sie tatsächlich die Kosten für den Schriftzug.

So entwickelte sich eine Cocktail Bar für die Szene.

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Damit war die Bar noch nicht schwul. Die im Zürcher Gastrogewerbe etablierten Gründer aber schon, und ihr bisheriges Publikum folgte ihnen. So entwickelte sich eine Cocktail Bar für die Szene. Dass der beliebte Gay Club Heaven nur einen Spaziergang entfernt ist, half ebenfalls. Aber warum braucht eine offene, moderne Stadt wie Zürich überhaupt noch spezifische Gay-Lokale? «Weil Orte wie das Cranberry ein Anlaufpunkt sind», so Dušan. «Gay Bars sind nicht nur wichtig für Leute, die neu in der Stadt sind, sondern auch für solche, die den ersten Schritt in die Szene wagen wollen. In einer Gay Bar kannst du so sein, wie du willst. Das ist wichtig.»

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Glücklicherweise erlebt das Cranberry nie homophobe Angriffe oder Anfeindungen. Dušan klopft auf den Bartresen, während er das sagt. Aber dass eine Männertruppe im Rahmen eines Polterabends reinströmt, kommt gelegentlich vor. «Das ist natürlich okay. Aber wenn das Ganze als Mutprobe geschieht und die Jungs sich beim Reinkommen scherzhaft den eigenen Hintern schützen, ist das nicht angebracht.» In solchen Situationen sagt Dušan mit seiner sanften Art: «Das hier ist kein Zoo. Für den Zoo könnt ihr einfach ins Tram 6 steigen.»

«In einer Gay Bar kannst du so sein, wie du willst.»

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So manches Schwulenlokal Zürichs musste in den vergangenen Jahrzehnten seine Tore schliessen. «Dating-Apps machen es einfacher, Gleichgesinnte zu treffen», so eine Erklärung Dušans. Und doch: «Im Gegensatz zu Kennenlern-Apps sind die Leute, die du zum Beispiel in Bars triffst, echt. Die Person kann sich weniger verstellen. Ausserdem finde ich persönlich es einfach schöner, wenn dich jemand in der Bar anspricht, als wenn du Mitteilungen aufs Handy kriegst.»

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Der Betriebsleiter der Cranberry Bar ist überzeugt: Gay Bars braucht es auch heute noch. Und Cocktails sowieso. Willkommen sind von Schwulen und Lesben bis hin zu ihren Freunden und Cocktail-Fans alle – und im Ausnahmefall auch mal Justin Bieber.

Adresse

Cranberry Bar
Metzgergasse 3
8001 Zürich
+41 44 261 27 72
Website

Öffnungszeiten

Sonntag bis Donnerstag, 17–00.30 Uhr
Freitag bis Samstag, 17–2 Uhr