17.11.2020 – Zu Besuch bei | Menschen & Leben

«Ich verliebte mich sofort in die Stadt»

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Der Künstler Willian Farias und sein Partner Sérgio Leemann leben mitten in der Europaallee. Das internationale Paar schätzt die zentrale Lage – und wundert sich über die Vorurteile, die einige Zürcher*innen gegen das Neubauquartier hegen.

Neben Restaurants, Hotels und Läden zählt die Europaallee rund 400 Neubauwohnungen. In einer davon leben Willian Farias und Sérgio Leemann. 2015 sind sie eingezogen. ¬«Genau an dem Tag, an dem das Gebäude fertiggestellt wurde», erinnert sich Sérgio. Seine Familie stammt aus Kilchberg, er ist jedoch in Brasilien aufgewachsen. In Rio lernte er Willian kennen. «Wir sind seit über 21 Jahren zusammen», erzählt Sérgio.

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Aus Zufall stoppte das Paar in Zürich.

Anfang der Nullerjahre reiste das Paar nach Europa. Dabei besuchte es auch die Schweiz. Nach Genf – wo Sérgio eine Weile gelebt hat – legten die zwei einen spontanen Zwischenhalt in Zürich ein. «Die Stadt lag halt einfach auf dem Weg nach Italien», erzählt Sérgio.

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Kaum hatte der Zug am Hauptbahnhof angehalten, habe Willian gemeint: «I already love this city.» Sérgio lacht noch immer, wenn er sich an diesen Moment erinnert. «Ich habe zu ihm gesagt: Du hast noch nicht mal den Bahnhof verlassen!» Doch Willian blieb bei seiner Meinung: «Es lag etwas in der Luft.» Sein Partner ist überzeugt: «Auch wenn Willian nie etwas gesagt hat: Ab diesem Tag träumte er von einem Leben in Zürich.»

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Willian ist Designer und Künstler. Er hat seine Kunst schon bei internationalen Galerien ausgestellt, darunter auch bei solchen in Europa. «Ich habe deshalb immer gedacht, dass ich vielleicht mal in Paris oder New York leben werde.» Doch jetzt ist Zürich seine Heimat. «Die Stadt ist zwar klein und ruhig, aber halt einfach auch perfekt.» Und wenn er Zürich doch für eine Weile verlassen will, so ist er von der Europaallee aus rasch am Flughafen.

Jetzt ist die Europaallee ihr Zuhause.

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Überhaupt die Lage! «Wir sind wirklich mitten im Stadtzentrum», so Sérgio. Das sei ideal, wenn man sich, wie die beiden Männer, an einem neuen Ort ein neues Leben aufbaue. Ausserdem war Sérgio krankheitsbedingt in den letzten Jahren nicht so mobil. «Dass alles Wichtige in Fussdistanz liegt, ist ein Segen.» Doch auch in der Wohnung fühlt er sich wohl: «Obwohl ich viel drinnen war, kam ich mir nie eingesperrt vor.» Das lag nicht nur am grosszügigen Grundriss, sondern auch an den vielen Fenstern. Sie machen die Wohnung hell und luftig.

Viele Erinnerungsstücke schmücken die Wohnung.

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Als die beiden 2015 ihre Wohnung im 10. Stock bezogen, standen die meisten Gebäude in der Nachbarschaft noch nicht. «Die Aussicht war damals besser», so Willian. Doch noch heute kann das Paar weit blicken. «Das Licht in der Stadt ist wirklich schön», so Sérgio.

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Neben der Hängematte, die Willian für das Zürcher Label Tauta Home entworfen hat, zieren auch einige seiner Kunstwerke das Zuhause. Darunter sind auch zwei Herzen. «Sie sind Teil einer Serie», erklärt er. Ihr Inneres berge Erinnerungsstücke. «Ich habe das Parfüm meiner kürzlich verstorbenen Mutter in einem der Herzen platziert», sagt Willian. Sie habe den Duft jahrelang getragen. «Alle haben ihn sofort mit ihr verbunden.»

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Souvenirs sind den beiden Männern allgemein wichtig. Sérgio sagt: «Ein Zimmer ist quasi unser persönliches Museum.» Fast alle Möbel und Gegenstände darin haben für die beiden eine besondere Bedeutung.

«Obwohl ich viel drinnen war, kam ich mir nie eingesperrt vor.»

Sérgio Leemann

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Auch wenn das Paar manchmal von einem Haus am Stadtrand träumt: Noch fühlt es sich in der Europaallee sehr wohl. Dass die Überbauung bei vielen Zürcher*innen einen schlechten Ruf hat, können sie kaum verstehen. «Klar sind es alles Neubauten», gibt Willian zu. Aber er selbst sei in ähnlich aussehenden Stadtteilen in Rio gross geworden. «Es war mir dadurch irgendwie vertraut.»

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Und Sérgio räumt mit einem weiteren Vorurteil auf: Hier lebt es sich gar nicht so anonym, wie viele vielleicht denken. «Wir kennen viele Nachbar*innen.» Vor allem in diesem Sommer habe man sich öfters draussen getroffen. Die kleinen Kinder spielten am Brunnen, die Erwachsenen tranken gemeinsam Wein. «Das war sehr schön.»